Fehlerprävention: Strategien für sichere Gerichtsdolmetschen
Gerichtsdolmetschen ist eine der anspruchsvollsten Formen des Dolmetschens – und eine der folgenreichsten. Ein Missverständnis vor Gericht kann dazu beitragen, dass ein Angeklagter eine falsche Aussage macht, ein Zeuge missverstanden wird oder ein Richter auf Basis unvollständiger Informationen entscheidet. Die Konsequenzen können gravierend sein.
In mehr als zwei Jahrzehnten als Dolmetscher für Deutsch und Spanisch in Gerichtsverfahren, Verhören und rechtlichen Anhörungen habe ich erlebt, worauf es ankommt – und wo die häufigsten Fehlerquellen liegen. Hier sind die wesentlichen Strategien zur Fehlerprävention, die ich in meiner Praxis einsetze.
Gründliche Vorbereitung auf jeden Termin
Eine der wirksamsten Maßnahmen gegen Fehler ist Vorbereitung. Ich bitte immer darum, vor einem Gerichtstermin Aktenauszüge, Anklageschriften, Aussageprotokolle oder andere relevante Unterlagen zu erhalten. Kenntnis des Falls, der beteiligten Personen und der verwendeten Terminologie erhöht die Qualität des Dolmetschens erheblich.
Besonders wichtig ist die Terminologievorbereitung: Strafrechtliche Begriffe, Prozessbezeichnungen, Paragrafenverweise – all das muss in beiden Sprachen präzise und konsistent verwendet werden.
Klarheit über die eigene Rolle
Der Dolmetscher vor Gericht ist kein Anwalt, kein Vermittler und kein Kommentator – er ist der neutrale Sprachmittler. Das bedeutet: Ich übersetze, was gesagt wird – vollständig, ohne Weglassungen, ohne Ergänzungen, ohne Bewertung. Wenn jemand etwas Widersprüchliches oder Unklares sagt, übersetze ich es so – und signalisiere dem Gericht gegebenenfalls, dass eine Klärung erforderlich ist.
Diese Rollenklarheit ist entscheidend: Fehler entstehen oft, wenn Dolmetscher anfangen, zu erklären, zusammenzufassen oder im Sinne der einen oder anderen Partei zu deuten.
Nachfragen ist kein Zeichen von Schwäche
Wenn etwas unklar ist – ein Begriff, eine Formulierung, ein undeutlich gesprochener Satz –, bitte ich um Wiederholung oder Klärung. Das ist professionell, keine Schwäche. Ein schlecht verstandener Satz, der falsch gedolmetscht wird, kann weit mehr Schaden anrichten als eine kurze Unterbrechung.
Vor Gericht habe ich immer das Recht, den Redner zu bitten, langsamer zu sprechen oder einen Satz zu wiederholen. Dieses Recht nutze ich aktiv.
Umgang mit emotionalen oder psychisch belastenden Aussagen
Gerade in Strafverfahren können Zeugenaussagen oder Aussagen von Angeklagten emotional sehr belastend sein. Ich übersetze auch solche Inhalte vollständig und neutral – und kenne die Bedeutung meiner eigenen professionellen Distanz dabei. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass meine Haltung und mein Ton Einfluss auf die Atmosphäre im Saal haben können.
Zuverlässigkeit in Leipzig und bundesweit
Als beeidigter Dolmetscher für Spanisch und Deutsch stehe ich Gerichten, Staatsanwaltschaften und Anwaltskanzleien in Leipzig, Sachsen und bundesweit zur Verfügung. Für Terminanfragen nehmen Sie gerne Kontakt auf. Honorare auf Anfrage.
