Sala histórica del Landgericht Bautzen — proceso Schloss Taubenheim

Dolmetschen angesichts von Schmerz: Was in einem Medienverfahren unsichtbar bleibt

Sala histórica del Landgericht Bautzen
Saal des Landgerichts Bautzen während der Verhandlung, Juni 2025. © Sächsische Zeitung / Miriam Schönbach

Es gibt Verfahren, die in der Zeitung stehen. Und es gibt Verfahren, die man noch lange nach dem Urteil mit sich trägt.

Im Juni 2025 war ich an zwei Verhandlungstagen als Gerichtsdolmetscher am Landgericht Bautzen im Einsatz. Der Fall: der bewaffnete Einbruch vom 6. Januar 2025 in Schloss Taubenheim in der Oberlausitz. Eine fünfköpfige Bande war in das Schloss eingedrungen und hatte versucht, den Tresor des Eigentümers aufzubrechen. Eine Mitarbeiterin, die zufällig noch Unterlagen holen wollte, überraschte die Täter, wurde mit einer Waffe bedroht und gefesselt. Der Angeklagte, für den ich dolmetschte, war ein Mann kolumbianischer Herkunft mit Wohnsitz in Spanien, der auf einer Baustelle für den Einbruch angeheuert worden war.

Der Saal war voll mit Presse.

Ein Fall, der überregional Aufmerksamkeit erregte

Der Einbruch in Schloss Taubenheim hatte von Anfang an für Schlagzeilen gesorgt. Der Polizeieinsatz war spektakulär: Spezialkräfte des LKA, ein Angeklagter, der aus dem Fenster sprang, Festnahmen an mehreren Orten in Deutschland. Die Sächsische Zeitung und andere Medien berichteten ausführlich. In der Verhandlung am Landgericht Bautzen saßen Journalisten mit Kameras im Saal — ein Publikum, das in Gerichtsverfahren nicht die Regel ist.

Für den Dolmetscher ändert das am Wesentlichen nichts. Die Aufgabe bleibt dieselbe, mit oder ohne Kameras: präzise übertragen, sicherstellen, dass der Angeklagte jeden Schritt des Verfahrens versteht, und dem Gericht seine Aussagen genau zugänglich machen. Aber es fügt eine zusätzliche Anspannung hinzu, die sich von außen kaum vorstellen lässt.

Was niemand fotografiert hat

Was die Medien nicht festhalten konnten — weil es nicht fotografierbar ist — war das, was in den emotional aufgeladensten Momenten jener zwei Tage geschah.

Die Partnerin des Angeklagten war im Saal. Und mit ihr: ihr gemeinsames Baby.

Wenn ein Kind in einem Gerichtssaal anwesend ist, verändert sich die Atmosphäre. Die Worte bekommen ein anderes Gewicht. Und der Dolmetscher — der zwischen dem Angeklagten und allem anderen steht, dem Gericht, der Staatsanwaltschaft, der Verteidigung, dem Publikum, der Presse — wird auch zur Brücke zwischen diesem Mann und seiner Familie.

Meine Arbeit war technisch: getreu übertragen. Aber die Realität dieser Momente war zutiefst menschlich. Der Schmerz war spürbar. Die Ungewissheit über die Zukunft dieser Familie ebenfalls.

Drei Jahre Freiheitsstrafe lautete das Urteil. Der Richter sprach von hoher krimineller Energie. Das Opfer litt noch immer unter den Folgen. All das steht in den Akten. Was nicht in den Akten steht, ist der Blick einer Partnerin, wenn sie das Urteil durch die Worte des Dolmetschers hört.

Warum die menschliche Dimension zum Beruf gehört

Gerichtsdolmetschen wird als technische Disziplin gelehrt: Rechtsterminologie, Texttreue, Neutralität, Verschwiegenheit. All das ist unverzichtbar und nicht verhandelbar.

Aber die Wirklichkeit der Gerichtssäle ist auch dies: Situationen von außerordentlicher emotionaler Schwere, in denen der Dolmetscher keine Sekunde die Fassung verlieren darf — gerade weil alle anderen sie verlieren.

Diese Fähigkeit — Präzision und Neutralität inmitten fremden Schmerzes zu wahren — steht in keinem Lehrbuch. Sie entsteht mit den Jahren, im Saal, in Fällen wie diesem.

Medienberichterstattung zum Verfahren

Das Verfahren wurde von der Sächsischen Zeitung und regionalen Medien begleitet. Weitere Berichterstattung bei Radio Lausitz: «Zum Abschied einen Kuss — drei Jahre für Einbrecher in Schloss Taubenheim».


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